GSB 7.0 Standardlösung

Reha ist auch zu Corona-Zeiten unerlässlich

Die Zahlen sprechen Bände: Zu Corona-Zeiten sind die angetretenen stationären Rehabilitationsmaßnahmen und Anschlussheilbehandlungen im Vergleich zu den Vorjahren um bis zu 60 Prozent zurückgegangen. Die Gründe hierfür sind vielfältig.

Einerseits gab es bei manchen Kliniken vorübergehend einen Aufnahmestopp, andererseits wollten Patienten die risikoreiche Anreise quer durch die Republik vermeiden, bei der sie womöglich mit Infizierten in Kontakt gekommen wären.

Doch mittlerweile warnen Mediziner davor, eine bereits bewilligte Reha auf die lange Bank zu schieben oder gar einen Antrag trotz gesundheitlicher Defizite gar nicht erst zu stellen. Denn die jeweilige Erkrankung macht keine Pause. Sie entwickelt sich weiter, führt zu immer mehr Einschränkungen oder Schmerzen zum Beispiel bei Gelenk- und Rückenbeschwerden, oder zu einem immer größer werdenden Infarktrisiko bei Herzerkrankungen. Abgesehen davon, haben sich die Kliniken bestens gegen Corona gewappnet, ein Aufenthalt in einer Reha-Klinik ist womöglich weniger riskant als zu Hause zu bleiben und sich um seine täglichen Erledigungen selbst zu kümmern.

Wir sprachen mit Thilo Kruse, Verwaltungsleiter der Klinik Königstein der KVB, wie sich sein Haus auf die Krise eingestellt hat. Die Klinik Königstein ist eine Fachklinik für Anschlussheilbehandlung und Rehabilitation für Herz- und Gefäßkrankheiten, Bluthochdruck, Diabetes, Stoffwechselerkrankungen, Adipositas und Orthopädie.

Herr Kruse, wie haben Sie in den vergangenen Wochen und Monaten die Corona-Krise erlebt bzw. welche Maßnahmen wurden bei Ihnen diesbezüglich getroffen?

Puh, es gab eine Menge zu bewältigen. Als allererstes mussten natürlich Sicherheitshinweise bezüglich Hygienemaßnahmen und Mindestabstände entwickelt und umgesetzt werden. Dazu gehörte auch, dass wir weniger Patienten aufgenommen haben, als uns das üblicherweise möglich ist. Mittlerweile sind wir jedoch zu einer Belegung von 70 Prozent zurückgekehrt.

Konnten Sie alle Leistungen im Haus aufrechterhalten?

Leider nein. Natürlich blieben die medizinischen Leistungen alle am Laufen. Doch wir mussten unter Berücksichtigung der notwendigen Distanzbestimmungen unseren Wellnessbereich schließen, denn selbst in unserer größten Sauna hätten bei der Einhaltung von 1,5 Metern Abstandin jeder Richtung nur zwei Personen einen Saunagang machen können. Aber immerhin konnten wir die ganze Zeit über unser Schwimmbad geöffnet lassen. Auch die Therapiegruppen blieben wie zuvor bestehen.

Ohne Einschränkungen?

Doch, aber die sind durchaus von Vorteil für die Patienten. Denn um die Mindestdistanz einhalten zu können, haben wir sie deutlich verkleinert. So hat die Gymnastikgruppe statt 15 Teilnehmern jetzt zehn und die Zahl der Teilnehmer in den Adipositasgruppen wurde von acht auf vier verringert. Insofern kann man sagen: Wer eine besonders intensive Behandlung möchte, für den ist jetzt die richtige Zeit, eine Reha anzutreten.

Bisher wurden Ihre Patienten durch Büffets verköstigt. Haben Sie diese Bewirtungsform aufrechterhalten?

Das gehörte auch zu den Dingen, die als erstes entspannt werden mussten, damit sich die Patienten nicht zwangsläufig zu nahe kommen konnten. Vorübergehend haben wir sie am Tisch bewirtet und zu Frühstück, Mittagessen und Abendessen zu jeweils zwei unterschiedliche Zeiträume eingeladen. Dadurch wurde der Publikumsverkehr in unserem an sich recht großen Speisesaal deutlich entzerrt. Mittlerweile haben wir die Versorgung noch einmal umgestellt und es gibt wieder ein Büffet, allerdings mit abgepackten Waren.

Welche Alternativen bietet die Klinik Königstein den Patienten, die sich mal außerhalb der Therapien etwas Gutes tun möchten oder Entspannung suchen?

Wie gesagt war das Schwimmbad immer offen und wird es auch bleiben. Darüber hinaus verfügen wir über eine umfangreiche Bibliothek, Wassertherapie, Tretbecken, einen Pfad der Sinne und natürlich lädt der herrliche Taunus zu schönen und erholsamen Spaziergängen ein. Hierzu ermuntern wir sogar mit eigens entworfenen Touren, die wir in verschiedenen Flyern vorstellen. Schließlich ist Königstein ein heilklimatischer Kurort und die Klinik grenzt direkt an den Wald. Hinzu kommen Ausflugsmöglichkeiten wie Opel Zoo und die historische Burg der Stadt.