GSB 7.0 Standardlösung

Fünf Pflegegrade ersetzen drei Pflegestufen

Mit der Pflegereform im Jahr 2017 ging die Ablösung der bisherigen drei Pflegestufen einher. Ersetzt wurden sie durch fünf Pflegegrade, die Pflegebedürftigkeit wurde dabei selbst neu definiert.

fünf Pflegegrade

Wurden bislang mittels der Pflegestufen vor allem körperliche Beeinträchtigungen berücksichtigt, so steht heute der Mensch mit seiner gesamten Lebenswelt im Fokus.

Aufgrund dieses neuen Systems, das insgesamt sechs Lebensbereiche berücksichtigt, kann besser erfasst und geplant werden, welche Art von Unterstützung ein pflegebedürftiger Mensch tatsächlich benötigt. Somit ist ein Instrument geschaffen worden, um dem Pflegebedarf Demenzkranker gerechter zu werden, die zwar körperlich kaum eingeschränkt sind, aber dennoch ihren Alltag nicht ohne Hilfestellungen bewältigen können. Der gleichberechtigte Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung konnte somit sichergestellt werden.

Eine weitere Folge ist, dass die Beurteilung komplexer wurde, welche Medicproof, der ärztliche Dienst der privaten Kranken- und Pflegeversicherungen, für die Versicherten der KVB durchführt. Deren Gutachter überprüfen mittels des Verfahrens NBA („Neues Begutachtungsassessment“) seit 2017 alle Antragsteller auf Pflegeleistungen persönlich anhand eines Fragenkataloges auf den Grad ihrer vorhandenen Selbständigkeit. Im Rahmen der Begutachtung wird individuell ermittelt, ob eine Pflegebedürftigkeit vorliegt und eine Einstufung in einer der fünf Pflegegrade erfolgt. Der Pflegegrad entscheidet auch, welche Leistungen der Pflegversicherung im Einzelfall beansprucht werden können.

Pflegebedürftige mit bereits anerkannten Pflegestufen wurden mit Einführung des neuen Systems 2017 übrigens nicht erneut geprüft. Für sie existierten entsprechende Besitzstandsschutzregelungen seitens des Gesetzgebers. Da die Unterstützung nunmehr deutlich früher ansetzt, wächst nun auch die Zahl der Personen, die Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung haben.

Die einzelnen Bereiche und deren Gewichtung

Die Bereiche (man spricht auch von „Modulen“), in denen im Rahmen der Begutachtung durch Medicproof die Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder die Fähigkeiten der Menschen beurteilt werden sowie ihre jeweilige Gewichtung:

1. Die Mobilität. Die körperliche Beweglichkeit, wozu zum Beispiel das morgendliche Aufstehen und das Gehen vom Bett ins Badezimmer zählen aber auch das Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs und das Treppensteigen. - 10 Prozent

2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten. Hierzu zählen das Verstehen und Reden, zum Beispiel die Orientierung hinsichtlich Zeit und Ort, das Begreifen von Sachverhalten, die Erkennung von Risiken oder das Verstehen anderer Menschen im Gespräch.

3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen. Das betrifft unter anderem nächtliche Unruhe, Ängste oder Aggressionen, die für den Betroffenen und andere Menschen belastend sind und die Abwehr pflegerischer Maßnahmen. – 15 Prozent zusammen mit Bereich 2

4. Selbstversorgung. Hierzu gehört, sich selbständig zu waschen und anzukleiden, zu essen und zu trinken und die selbständige Benutzung der Toilette. – 40 Prozent

5. Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen. Das Augenmerk liegt darauf, ob noch die Fähigkeit vorhanden ist, Medikament selbst einzunehmen, die Blutzuckermessung selbst durchführen und deuten zu können oder mit einer Prothese bzw. einem Rollator umgehen zu können oder den Arzt selbständig aufsuchen zu können. – 20 Prozent

6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte. In diesem Fall stellt sich die Frage, ob der Betroffene die Fähigkeit hat, den Tagesablauf selbständig zu gestalten, mit anderen in Menschen in direkten Kontakt zu treten oder zum Beispiel die Skatrunde ohne Hilfe zu besuchen. – 15 Prozent

Am Ende ergibt sich aus den Gewichtungen, ob eine Pflegebedürftigkeit und in welcher Ausprägung vorliegt. Einzelfragen können mit dem jeweiligen Gutachter vor Ort geklärt werden. Weitere Informationen zum Verfahren sind auch auf der Website von Medicproof unter www.medicproof.de, Stichwort „Begutachtung“ jederzeit abrufbar.


Übergangspflege für Menschen ohne Pflegestufe


„Es gibt aber auch Fälle, in denen Menschen vorübergehend Pflege benötigen, ohne dass eine Pflegebedürftigkeit im Sinne der Pflegeversicherung vorliegt“, so das Bundesministerium für Gesundheit. Eine solche Situation könne zum Beispiel nach einer Operation eintreten oder aufgrund einer akuten schwerwiegenden Erkrankung. Betroffene haben bereits seit dem 1. Januar 2016 für einen Zeitraum von bis zu vier Wochen Anspruch auf Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung im Rahmen der häuslichen Krankenpflege sowie auf eine Haushaltshilfe. Reichen diese Leistungen nicht aus, besteht ein Anspruch auf die Aufnahme in eine Kurzzeit-Pflegeeinrichtung für bis zu acht Wochen je Kalenderjahr. In solchen Fällen beteiligt sich die KVB an den Kosten für Pflege, Betreuung und Behandlungspflege.