GSB 7.0 Standardlösung

Die Heil- und Arzneipflanzen 2018

Ingwer und Andorn

Wärmender Ingwer

Um die Wirkung diverser Gesundheitspflanzen ins Bewusstsein der Bürger zu rücken, kürt der Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, gen. Paracelsus e.V. (NHV Theophrastus) alljährlich die Heilpflanze des Jahres. Für das Jahr 2018 ist dies der Ingwer (Zingiber officinale), dessen Ursprung auf den Pazifischen Inseln vermutet wird und der in Süd-Ost-Asien schon seit Jahrtausenden dank seiner vielfältig positiven Eigenschaften für kurierende Maßnahmen eingesetzt wird. Die ersten Erwähnungen sollen sogar auf den chinesischen Kaiser Shen-Nung zurückzuführen sein, der vor etwa 5000 Jahren regierte.

Durch indische Märkte kam er schließlich während der Antike in die Städte Vorderasiens und Ägyptens und von dort wiederum brachten ihn die Römer nach Europa. Den Benediktinern ist es vermutlich zu verdanken, dass er im 9. Jahrhundert seinen Weg über die Alpen fand und daraufhin hierzulande als eines der ersten orientalischen Gewürze bekannt wurde.

Heute ist der Wurzelstock in sehr vielfältiger Art nahezu überall zu finden: im Obst- und Gemüsemarkt wird er in seiner natürlichen Form angeboten, im Gewürzregal in pulverisierter Form, darüber hinaus werden aus ihm unter anderem Kapseln, Marmeladen oder Extrakte hergestellt.


Vielfältige Anwendungsgebiete


Eine der bekanntesten Heilerinnen, die die Kraft des krampflösenden, entzündungshemmenden und schmerzstillenden Wurzelstocks zu nutzen wusste, war Hildegard von Bingen. Sie brachte ihn bei Hautflechten, Verstopfung, Koliken sowie „geschwürigen und trüben Augen“ zur Anwendung. Begehrt war er aber auch unter Seefahrern, die ihn gegen die Reisekrankheit nutzten. Eine Tradition, die bis heute bei manchen Kreuzfahrtunternehmen lebendig geblieben ist. Bei ihnen wird kandierter Ingwer zum Tee gereicht.


Wissenschaftliche Studien bestätigen die vielseitige Wirksamkeit des Ingwers. Er lindert Brechreiz und Erbrechen, regt die Darmtätigkeit an, reduziert Schmerz und ist daher bei rheumatischen Erkrankungen hilfreich. Es seien darüber hinaus krampflösende und tumorhemmende Eigenschaften beobachtet worden: „Die Erfahrungsmedizin nutzt ihn außerdem bei Erkältungen und Husten, bei Menstruationsbeschwerden, Rückenschmerzen und Migräne“, so Maria Vogel, Dipl.-Ing. (FH) Pharmazie vom NHV Theophrastus.
Beliebt ist der Wurzelstock auch als Wärmevermittler. Das gilt sowohl in Form von Tee als auch in der Anwendung von Wickeln am Rücken für die Nieren, an der Lendenwirbelsäule oder bei Muskelverspannungen, die zum Beispiel von Arthrose oder Bronchitis herrühren. Ingwer-Glühwein wirkt schluckweise bei Schüttelfrost und Kälteschüben, sollte aber nicht bei hohem Fieber eingenommen werden.


Bitterer Andorn

Die Arzneipflanze des Jahres wiederum wird durch den „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ am Institut für Geschichte der Medizin an der Universität Würzburg, ausgewählt. Dieser hat für 2018 den Andorn (Marrubium Vulgare) aufgrund „seiner herausragenden historischen Bedeutung und der umfangreichen Dokumentation seiner Wirkungen“ in den Fokus gerückt. „Er war schon lange in unserem Visier“, sagt Dr. Johannes G. Mayer, Geschäftsführer der Forschergruppe Klostermedizin an der Würzburger Universität. Denn von der Antike bis zur Neuzeit sei der stattliche Lippenblütler Andorn eine der 20 wichtigsten Arzneipflanzen in Europa gewesen, doch im 19. Jahrhundert allmählich in Vergessenheit geraten.


Unscheinbar aber wertvoll


Grund hierfür waren wohl die darin enthaltenen Bitterstoffe, weswegen stets sehr ungern eingenommen wurde. Doch gerade dieser Bitterstoff Marrubiin sowie Gerbstoffe machen diese an sich unscheinbare Pflanze, die der Melisse ähnelt, so wertvoll. Traditionell wird der Andorn bei Bronchialkatarrh sowie bei Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit eingesetzt. Wissenschaftlich belegt ist auch seine schleimlösende Wirkung bei erkältungsbedingtem Husten und entzündeten Bronchien.


Der Benediktinerabt Walahfrid Strabo (809-849) vermerkte darüber hinaus in seinen Schriften, dass diese Pflanze nicht allein bei „starken Beklemmungen der Brust“ anzuwenden, sondern auch als Mittel gegen Giftanschläge zu brauchen sei: „Sollten die Stiefmütter in feindseliger Absicht Gifte zubereiten und in das Getränk mischen oder Eisenhut zum Verderben in trügerische Speisen mengen, so vertreibt ein Trank des heilkräftigen Andorn, unverzüglich eingenommen, die lebensbedrohenden Gefahren.“


Gerbstoff verschafft Linderung


Auch äußerlich kommt diese Arzneipflanze zur Anwendung, denn der hohe Gerbstoffgehalt trägt zur Linderung vieler Hautprobleme bei. Somit ist es nicht verwunderlich, dass historische Rezepte für Einreibungen, Öl und Schmerzsalbe sorgsam überliefert wurden. Innerlich wiederum wirken speziell hergestellte Tropfen, Säfte, Gurgellösung oder gar der Hustenwein nach einem Rezept von Hildegard von Bingen, zu deren liebsten Kräutern der Andorn gehörte.


Die Heimat des Andorns ist übrigens der Mittelmeerraum, doch auch hierzulande kann er gedeihen. „Er ist in Deutschland ausgewildert zu finden“, sagt Dr. Johannes Mayer. Nur in ganz kleinem Anbau werde die recht anspruchslose Pflanze gezogen, die im Grunde auch im Garten gedeihen kann.
Allerdings: Weder Ingwer noch Andorn oder die daraus hergestellten (überwiegend homöopathischen) Produkte gehören zu den Leistungen der KVB.
Weiterführende Informationen zu Ingwer und Andorn gibt es unter nhv-theophrastus.de bzw. unter www.klostermedizin.de.